Eine-Welt-Arbeit und Bolivien-Partnerschaft

Bolivianische Gäste im Dekanat

Der Arbeitskreis Bolivien durfte zwei bolivianische Gäste im Dekanat Remagen-Brohltal willkommen heißen. José Luis Mamani Subirana und CrisMayria Quispe Salgado waren mit einer insgesamt 25-köpfigen Delegation aus Bolivien in das Bistum Trier gekommen.

Padre Mamani ist Pfarrer in Puerto Rico im Vikariat Pando, das im Flusssystem des Amazonas im Norden Boliviens liegt. Seine ländliche Pfarrei im tropischen Regenwald umfasst mehr als 120 indigene Gemeinden. Die 24-jährige Wirtschaftsstudentin CrisMayria Quispe Salgado lebt in Patacamaya im Hochland Boliviens. Sie engagiert sich in der Jugendpastoral, als Katechetin in ihrer Pfarrei und hat in mehreren Kommissionen bei nationalen Treffen der christlichen Basisgemeinden mitgearbeitet.

In der „Erfahrungswoche“ im Dekanat konnten die beiden bolivianischen Gäste das Land und seine Sehenswürdigkeiten, vor allem aber Menschen und ihren Alltag in Familie und Gemeinde sowie Projekte kennenlernen. Der AK Bolivien hatte ein vielfältiges Programm zusammengestellt mit Möglichkeiten, die Gäste persönlich kennenzulernen und mit ihnen über die Situation in dem südamerikanischen Land zu sprechen. „Roter Faden“ war dabei das Thema „Wasser“ der diesjährigen Bolivienpartnerschaftswoche. So ergaben sich zahlreiche Begegnungen und Gespräche, die von Leonie Maringer (Oberwinter), Sarah Sänger (Traben-Trabach), Teófanes Gonzáles (Dekanatskantor), Miguel Esteban und Pfarrer i.R. Lothar Brucker (Waldorf) übersetzt wurden.

Im Eröffnungsgottesdienst der Bolivien-Partnerschaftswoche in Sinzig St. Peter berichteten die Gäste von der anhaltenden Wasserkrise in Bolivien auf Grund des Klimawandels. Die Folgen sind lange Dürrezeiten, Hagel und Starkregen oder auch Überschwemmungen. Winfried Kraatz und Brigitte Karpstein vom Pfarrgemeinderat Sinzig überreichten eine Spende in Höhe von 800 € aus dem Erlös des diesjährigen Kirmesstandes. Damit wird der Aufbau des sogenannten „Partnerschaftswaldes“ in Patacamaya und der Schutz des Tahuamanu-Flusses in Pando unterstützt. Mit beiden Projekten reagieren die bolivianischen Partner auf die Folgen des Klimawandels und verwirklichen notwendige Anpassungsleistungen zum Schutz des Lebensguts Wasser.

Im weiteren Verlauf der Woche lernten die bolivianischen Gäste unter anderem die „Tafel“ in Ahrweiler und das Flüchtlingscafé in Burgbrohl kennen. Padre Mamani: „Es war sehr spannend für mich, diese Projekte kennenzulernen. Sie zeigen aktuell wichtige gesellschaftliche Themen in Deutschland. Jetzt kann ich überlegen, ob wir in Bolivien auch etwas aus der Tafel-Idee machen können, ohne die Bedürftigen von Hilfe und Unterstützung abhängig zu machen.“

Bei der Begegnung im Eine-Welt-Laden Remagen wurde ein Spielfilm über den sogenannten „Wasserkrieg“ in Cochabamba  angeschaut. Im Jahr 2000 gab es den Versuch, die Wasserversorgung in der bolivianischen Großstadt zu privatisieren. Dagegen und gegen die damit verbundenen Preiserhöhungen für das „Lebensgut Wasser“ hatten sich die Bewohner Cochabambas erfolgreich gewehrt. Bei bolivianischen Speisen, die eigens von den Gästen zubereitet worden waren, wurde der Film diskutiert.

In Waldorf feierten die Gäste einen vom Projektchor mit vielen bolivianischen Liedern gestalteten Gottesdienst. Anschließend berichteten sie dem Waldorfer Bolivien-Freundeskreis und Interessierten über die Situation in Bolivien.

Neben dem gegenseitigen Kennenlernen und der Vorstellung unterschiedlicher Projekte spielte auch die Kultur eine Rolle. Pater Elias stellte den Gästen die Benediktinerabtei Maria Laach vor. Stationen eines spirituellen Spaziergangs unter dem Leitwort „Wasser – Quelle des Lebens“ waren der Laacher See, die Johanneskapelle und die Abteikirche. Beeindruckt waren die Gäste vor allem von der Sakristei, dem Kapitelsaal und der Jesuiten-Bibliothek. Außerdem lernten die Bolivianer Koblenz, die „Essbare Stadt Andernach“ und die Apollinariskirche in Remagen kennen. „Ich nehme viele wertvolle Eindrücke mit zurück in meine Heimat Bolivien und vor allem das Gefühl, Freunde gefunden zu haben“, so ChrisMayria Quispe.

Die Woche lebte von einem regen Austausch zwischen Deutschen und Bolivianern. Gegenseitig wurde sich vom Umgang und den Problemen mit Wasser berichtet. Für Monique Scheer, Gastgeberin und Mitarbeiterin im Arbeitskreis Bolivien, ist es immer wieder eine besondere Zeit, wenn die bolivianischen Gäste kommen. „Die Partnerschaft bekommt so ein konkretes Gesicht. Wenn ich jetzt von Dürre und Starkregen in Patacamaya auf dem Altiplano oder von Überschwemmungen in Puerto Rico in Amazonien höre, dann denke ich ganz konkret an CrisMayria oder Padre José Luis.“

Am Ende der Woche zog Pastoralreferent Christoph Hof, Verantwortlicher des Dekanats für die Erfahrungswoche und den Arbeitskreis Bolivien, das Fazit: „Die persönlichen Begegnungen sind die Grundlage der Partnerschaft des Bistums Trier mit den Menschen Boliviens. Im persönlichen Austausch können wir uns gegenseitig stärken. Wir lernen, uns als Geschwister in der einen Welt zu verstehen und uns gemeinsam und solidarisch den Herausforderungen, zum Beispiel dem Klimawandel, zu stellen. Damit alle gut leben können.“

Der Abschluss der Erfahrungswoche war ein Partnerschaftstag in Trier, bei dem alle Gäste, Gastgeber und Freunde der Bolivienpartnerschaft zusammenkamen. Bischof Dr. Stephan Ackermann machte dort deutlich, dass die Kirche im Bistum Trier untrennbar mit Bolivien verbunden ist. Wesentliche Bestandteile der mittlerweile fast 60jährigen Partnerschaft sind die Partnerschaftswoche, die in diesem Jahr unter dem „Lebensgut Wasser: schützen – ernten – teilen“ stand, sowie die alle zwei Jahre stattfindenden Begegnungsreise. Dabei geht es vor allem darum, der Partnerschaft ein Gesicht zu verleihen.

Boliviensammlung am 26.05.2018

Vielen Dank an alle Spender*innen,

und alle Sammler*innen, an Fahrer*innen, Helfer*innen und Unterstützer*innen!

Die Erlöse aus der Verwertung der Kleiderspenden dienen der nachhaltigen Unterstützung von zwei Organisationen in Bolivien. Die Stiftung „Solidarität und Freundschaft Chuquisaca–Trier“ unterhält 25 Ausbildungseinrichtungen in den ländlichen Regionen des Erzbistums Sucre für ca. 2.000 Kinder und Jugendliche. Wichtige Schwerpunkte der Arbeit sind z.B. die Förderung von jungen Menschen mit Beeinträchtigungen und die Entwicklung von Maßnahmen angesichts des deutlich spürbaren Klimawandels. Der zweite Partner, die „Nationale Jugendpastoral“ Boliviens (PJV), fördert und koordiniert die katholische Jugendarbeit für das ganze Land.

Auch "zwischen" den jährlichen Boliviensammlungen können nach telefonischer Terminabsprache Kleider in den "Kleiderpunkten" des Dekanates abgegeben werden:

Pfarrbüro Niederzissen, Horststraße 35, 56651 Niederzissen, Tel.02636-6166

Büro der Pastoralreferenten, Quellenstraße 73, 53424 Remagen-Kripp, Tel. 02642-41759, E-Mail: christoph.hof(at)bistum-trier.de

„Gebrauchte Kleider werden Bildung“ 

Missionskreuz aus Bolivien im Dekanat Remagen-Brohltal

In den Pfarrkirchen in Wassenach, Waldorf und Brohl war Anfang März das Missionskreuz aus Bolivien zu sehen. Das Kreuz ist eine originalgetreue Nachbildung des Missionskreuzes aus der Zeit der Jesuitenmission von 1691. Es steht in San Javier im bolivianischen Tiefland.

Anläßlich des V. Gesamtamerikanischen Missionskongresses im Juli 2018 in Santa Cruz wandert das Kreuz in Amerika durch alle Bistümer. Es soll so zur Erneuerung des missionischen Auftrages beitragen.

Der Vorsitzende der bolivianischen Bischofskonferenz, Bischof Ricardo Centellas, hat die Nachbildung des Kreuzes im Oktober 2017 zur Eröffnung der Partnerschaftswoche der Diözese Trier geschenkt, damit es auch hier von Pfarrei zu Pfarrei wandert und die Verbundenheit mit Bolivien ausdrückt.

In Waldorf feierte Pfarrer i.R. Lothar Brucker mit Bolivien-Interessierten und Engagierten aus Dekanat und Pfarrei einen Gottesdienst, der vom Waldorfer Projektchor um Chorleiterin Andrea Ernst und Miguel Maldonado mitgestaltet wurde. Das Kreuz war Symbol für den gemeinsamen Wunsch, missionarisch Kirche zu sein, indem wir glaubwürdig Zeugnis geben vom Evangelium und für Menschlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit eintreten.

Weitere Informationen zum Missionskreuz: Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Trier

Wenn die augenblickliche Tendenz anhält, könnte dieses Jahrhundert Zeuge nie dagewesener klimatischer Veränderungen und einer beispiellosen Zerstörung der Ökosysteme werden, mit schweren Folgen für uns alle. (Papst Franziskus, Enzyklika Laudato Si, Nr. 24